Projekt

Migrationspolitik auf lokaler Ebene: Das Beispiel belgischer Gemeinden

Um zu verstehen, warum in einigen Gegenden die Aufnahme von Migrantinnen und Migranten sowie die Förderung des sozialen Zusammenhalts besser funktioniert als in anderen, wurden in diesem Projekt die Rolle und der Umfang von Migrationspolitiken auf lokaler Ebene in belgischen Gemeinden analysiert.

Projektbeginn 05/2018
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Projektende 12/2019

Während viele Migrationspolitiken auf nationaler Ebene beschlossen werden, bestehen innerhalb der Länder erhebliche Unterschiede in der Art und Weise, wie sich Einwanderinnen und Einwanderer in die Aufnahmegemeinden integrieren und wie die einheimische Bevölkerung die Einwanderung wahrnimmt. Auf der einen Seite beeinflussen die lokale Wirtschaft, die demographischen Bedingungen und historische Gegebenheiten die Art der ankommenden Migranten stark, prägen ihre Integrationspfade und die Einstellungen der einheimischen Bevölkerung. Andererseits können lokale Behörden und Interessengruppen die nationalen Politiken auf unterschiedliche Weise umsetzen und ihre eigenen Programme entwerfen, so dass die wirtschaftlichen und sozialen Ergebnisse der Einwanderung und die Wahrnehmung der einheimischen Bevölkerung beeinflusst werden. Dieses Projekt untersuchte die Rolle und den Umfang von Migrationspolitiken auf lokaler Ebene. Die Forscher, untersuchten mit Hilfe beobachtbarer wirtschaftlicher und demographischer lokaler Merkmalen, warum einige Regionen erfolgreicher sind bei der Bewältigung von Migration und der Förderung des sozialen Zusammenhalts in vielfältigen Gemeinschaften als andere.

Der Rahmen für die Analyse ist Belgien. Bis 2017 waren 16,5 Prozent (oder 1,9 Millionen) der belgischen Bevölkerung im Ausland geboren, darunter etwa 50 Prozent in Ländern außerhalb der EU. Relativ gesehen ist die Größe der belgischen im Ausland geborenen Bevölkerung vergleichbar mit der des Vereinigten Königreichs, Deutschlands, der Niederlanden und Frankreichs. Wie viele andere EU-Mitgliedstaaten hat auch Belgien Schwierigkeiten bei der Integration seiner Nicht-EU-Einwanderergemeinschaft und ist Zeuge des Aufstiegs rechter Parteien geworden. Gleichzeitig stellt Belgien aufgrund seiner mehrstufigen Verwaltung und eines hohen Maßes an Autonomie auf regionaler und kommunaler Ebene eine besonders interessante Fallstudie dar.

Die Daten der belgischen Crossroad Bank for Social Security (CBSS), des VDAB/Forem, des Belgischen Statistischen Amtes und die Ergebnisse der Kommunalwahlen zeigen erhebliche Unterschiede in der wirtschaftlichen Integration der Einwanderer sowie in den politischen Präferenzen der belgischen Gemeinden. Dies gilt auch dann, wenn diese von der wirtschaftlichen Entwicklung, der Demografie und der ethnischen Vielfalt einer Gemeinde abhängen. Ergänzt wird diese Analyse durch semi-strukturierte Interviews mit den Bürgermeistern der Städte, mit Vertretern der regionalen und lokalen Integrationszentren (wie Agentschap, In-Gent, BAPA VIA, BON, CRIC, CRIPEL) und mit lokalen Sozialpartnern, die an der Integration arbeiteten.